Vom Ausschuss zum Landesverband

» Pdf zum Ausdrucken

Die ersten Jahre nach der Gründung des Ausschusses sind geprägt von dem Versuch, sich einen Platz in der Vielfalt der bestehenden Vereine zu erobern und ein eigenes Profil zu fin- den, auch wenn es sich bei dem Ausschuss nicht um einen neuen Verein handelte.
Auf einer Hauptversammlung des Vorstandes im Jahre 1908 beschloss der Vorstand, die seit 1905 vom Landesverein für Innere Mission durchgeführten Lehrgänge für Krankenpflegerinnen nun in eigener Regie abzuhalten.
Der erste Kurs wurde im Herbst 1909 an den Leipziger und Dresdner Diakonissenhäusern durchgeführt. Auf der Versammlung konnte außerdem werden, dass bereits über 1000 Abonnenten der Zeitschrift TABEA gewonnen werden konnten.

Auch die bereits im Jahre 1895 begonnen Instruktionskurse für den christlichen Frauendienst werden ab 1909 aufgenommen. Am zweiten Kurs im Jahre 1911 nahmen 56 Frauen aus ganz Sachsen teil.
Auf der vierten Jahresfeier des Ausschusses vom 28.5.-29.5.1911 in Dresden beschlossen die Anwesenden, eine Namens- und Satzungsänderung vorzunehmen. Die Jahresfeier wurde von der neuen Vorsitzenden Frau Prof. Vollmöller-Mirus geleitet, die der am 14. Oktober 1910 verstorbenen Rosa von Zeschwitz nachfolgte.
Die Umbenennung des Ausschusses in den Landesverband für christlichen Frauendienst wurde am 26. Juni 1911 mit der Eintragung ins Vereinsregister besiegelt. Die entgegen der ursprünglichen Intention doch erfolgte Vereinsbildung sollte ermöglichen, dass eine eigene Rechtsfähigkeit erreicht werden konnte. Man wollte nicht mehr nur als Arbeitsausschuss des Landesvereins für Innere Mission wahrgenommen werden. Das Hauptaugenmerk des Landesverbandes sollte weiterhin auf der seit 1908 übernommenen Ausbildung der Krankenpflegerinnen liegen.
In der Satzung wird aber auch festgelegt, dass er sich "...die Inangriffnahme oder Übernahme anderer einzelner Arbeitszweige des christlichen Frauendienstes ausdrücklich [vorbehält]." (Satzung Auszug § 2)
Als Mitglieder sind sowohl Einzelpersonen, als auch Vereine vorgesehen. Einzelmitglieder zahlen jährlich 1 Mark, körperschaftliche Mitglieder wie Vereine 5 Mark.

Die Umbenennung war nicht der einzige Einschnitt. Auf der Jahresversammlung wurde weiterhin die Einstellung einer Berufsarbeiterin beschlossen, die die anfallende Büroarbeit erledigen sollte. Dabei handelte es sich um Frl. Anna Höber aus Gütersloh, die bisher als Wanderkochlehrerin für die Innere Mission tätig war.

Außerdem wurde der Umzug der Geschäftsstelle von der Ferdinandstraße auf die Kaulbachstraße 71 in Dresden beschlossen. Die Umbenennung in „Landesverband für christlichen Frauendienst" ging gleichzeitig mit dem Aufruf einher, nicht nur begüterte Frauen für eine Mitgliedschaft zu werben, sondern ausdrücklich die vielen ärmeren Gemeindeglieder einzubeziehen. Zusätzlich wurden wie 1907 alle Frauenvereine Sachsens aufgerufen, dem neuen Landesverband beizutreten.
Um dies zu erreichen, wurde am 14. und 15. Oktober 1912 eine Konferenz für Vorsitzende und Kuratoren der Frauenvereine im Königreich Sachsen in Freiberg durchgeführt. Den Auftakt dieser Konferenz bildete der Vortrag des Vereinsgeistlichen Pf. von der Trenck "Was wünschen wir unseren Frauenvereinen?", in dem er für die Bildung von neuen Frauenvereinen vor Ort in den Kirchgemeinden warb und den Anschluss an den Landesverband forderte.

Ein besonderes Gewicht erhielt die Konferenz durch die Predigt des Oberhofpredigers Dr. Franz Dibelius, gleichzeitig auch Vizepräsident des ev.-luth. Landeskonsistoriums. Der "Auftritt" von Dibelius zeigt die große Wertschätzung und das Interesse der Landeskirche an einer Ordnung und Institutionalisierung der Frauenarbeit. Die Konferenz endete mit eine erneuten Aufruf des Anschlusses aller Frauenvereine Sachsens an den Landesverband. Bis zum 1. Februar 1913 waren 95 Frauenvereine dem Aufruf gefolgt.

Bettina Westfeld, Historikerin