Der Landesverband Ende der Zwanziger Jahre Rückblick auf das erste Vierteljahrhundert

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In den "Goldenen Zwanziger Jahren" wendet sich der Landesverband immer stärker der Mütterarbeit zu. Bereits seit dem Jahre 1922 ist die Abhaltung von speziellen "Mütterabenden" verbürgt. Im Jahre 1925 schließt sich der erste "Mütterverein" dem Landesverband an. Im gleichen Jahr beschließt der Landesverband auch die Errichtung eines Mütterheims um die Müttererholung in eigener Regie durchführen zu können. Die erste Rüstzeit für Mütter kann Ende September 1929 in Krummenhennersdorf bei Freiberg stattfinden. Mit dem Anspruch, den Frauen Erholung und christliche Erbauung für den Alltag zu schenken, wurde sie durchgeführt. Der Landesverband begann ebenfalls 1932 "Mütterschulungen". In diesen Kursen, die auf den bereits durchgeführten Säuglingspflegekursen und Wanderkochkursen aufbauen, sollten praktische Kenntnisse in Haushaltsführung und Kinderpflege vermittelt werden.

Um diese Vorhaben noch besser in die im Jahre 1926 ungefähr 900 angeschlossenen Einzelvereine tragen zu können, wird der Reisedienst bis zum Ende der Weimarer Republik auf sechs Frauen erweitert. Zusätzlich werden seit dem Jahre 1927 Frauendienstrüstzeiten durchgeführt, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Frauen zu stärken und die Arbeitsschwerpunkte in die Einzelvereine zu kommunizieren.

Die Amtszeit der neuen Vorsitzenden Martha Götz endet nach nur einem Jahr. Im Streit mit dem Landesverein der Inneren Mission, der offenbar wieder ein stärkeres Mitspracherecht über die Belange des Landesverbandes erlangen wollte, legte sie am 7. Juli 1925 ihr Amt nieder. Dem Landesverband für christlichen Frauendienst gelingt es in den Folgemonaten, seine Selbstständigkeit gegenüber dem Landesverein für Innere Mission zu verteidigen, nur der Wunsch, die Leitung der sozialen Frauenschule in die Hände einer Frau zu legen, kann nicht durchgesetzt werden. Am 8. März 1926 wird die "altbewährte" Vorsitzende Marie von Carlowitz wieder in ihr Amt eingesetzt.

Im Jahre 1926 tritt erstmals Esther von Kirchbach im Landesverband in Erscheinung. Sie publiziert im "Frauendienst" einen Artikel über "Das Gesicht des kleinen Katechismus". Bis zu ihrem Tod im Jahre 1946 ist sie eine der prägenden Persönlichkeiten für die Frauenarbeit in Sachsen und seine Grenzen hinaus. Sie war seit 1921 mit dem Theologen Arndt von Kirchbach verheiratet, der erst als Hofprediger an der Dresdner Sophienkirche arbeitet und später als Superintendent in Freiberg wirkt. In der Zeit des Nationalsozialismus engagiert sie sich mit ihrem Mann in der Bekennenden Kirche gegen die Gleichschaltung der Kirche in Sachsen und die Einflussnahme der "Deutschen Christen" auf das kirchliche Leben.

Um die Einflussmöglichkeiten der evangelischen Verbände zu erhöhen, bildet sich am 1. Februar 1927 die Vereinigung evangelischer Frauenverbände Sachsens als freie Arbeitsgemeinschaft mit dem Landesverband christlicher Frauendienst, dem Deutsch-Evangelischen Frauenbund, dem Landesverband für die weibliche Jugend, der Bahnhofsmission, dem Verband evangelischer Religionslehrerinnen, dem Verband evangelischer Wohlfahrtspflegerinnen und der Landesgruppe Sachsen des Deutschen Nationalvereins der Freundinnen junger Mädchen. Diese Arbeitsgemeinschaft zeichnet auch für eine Petition an die Landessynode verantwortlich, um die Anstellungsmöglichkeit für Theologinnen innerhalb der Landeskirche zu verbessern. Die Landessynode übernimmt diesen Antrag nach hitzigen Diskussionen und beschließt, das Konsistorium mit einem Gesetzentwurf über die Verwendung von Theologinnen in der Landeskirche zu beauftragen. Es wird festgelegt, dass Frauen als Vikarinnen arbeiten und vor allem diakonische Aufgaben übernehmen können. In die synodale Debatte konnte der Landesverband direkt mit "seiner" Synodalen Olga von Stieglitz eingreifen, die als Vorsitzende des Frauenmissionsbundes auch Mitglied im Beirat des Landesverbandes war und Magdalene Focke nachgefolgt war.

Das 25jährige Jubiläum des Landesverbandes, das im Jahre 1932 zu Rogate gefeiert werden konnte, bot einen guten Anlass zur Bilanz. Es war gelungen, 938 Ortsgruppen oder Einzelverbände unter dem Dach des Landesverbandes zu vereinen und damit 120000 Frauen zu erreichen. Der Landesverband hatte sich im kirchlichen und politischen Leben in seiner 25jährigen Geschichte etabliert.

Bettina Westfeld, Historikerin MA