Rogate-Frauentreffen

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1947 nimmt die Frauenarbeit den Impuls der Frauenhilfe zum "Frauensonntag" auf. Landesleiterin Else Wauer schreibt dazu in einem Artikel im "Sonntag": "Zum Sonntag, dem 22. Juni, ruft das Landeskirchliche Amt für kirchliche Frauenarbeit die Frauen der Gemeinde auf zu Evangelisations- und Feierstunden hin und her im Lande. Werden viele Frauen den Ruf hören: ‚Gottes Gebot für Frauen in Not’? Werden viele eine Hilfe, einen Gewinn für ihr beschwerliches Alltagsleben mit fortnehmen aus diesen Stunden?"

Die Frauen kamen in Scharen und mit großer Begeisterung. Sie brauchten einander, suchten Trost in ihren Nöten, Vergewisserung in ihren Zweifeln und den Austausch von Frau zu Frau, von Frauenkreis zu Frauenkreis.
Organisiert werden die Frauentreffen zentral von der Geschäftsstelle in Dresden aus. Dort wird in einem kleinen Team das Thema erarbeitet, das von den Rednerinnen zu haltende Referat verfasst und mit Anspielen sowie Literaturangaben ergänzt.

In den ersten Jahren fanden in zirka 90 Gemeinden die Treffen statt. Eine Gemeinde lud als Gastgeberin die Frauen aus den angrenzenden Orten ein. Neben dem Vortrag der Rednerin brachte jeder Kreis seine Grüße mit und eine zuvor gesammelte Kollekte. Diese besondere Kollekte am Frauensonntag trägt bis heute dazu bei, dass die Arbeitfelder der Frauenarbeit so vielfältig erhalten blieben.

Ab 1955 finden die Frauentreffen dann jeweils am Sonntag "Rogate", dem 5. Sonntag nach Ostern, statt.

Vor allem in den ländlich geprägten Kirchenbezirken entwickeln sich die Frauentreffen zu einem sehr geschätzten und gern genutzten Ereignis. In manchen Regionen wurden die Treffen ganztägig angeboten. Anders dagegen im städtischen Bereich. Schon Mitte der 60er Jahre wird festgestellt, dass in den größeren Städten die Beteiligung deutlich nachlässt. Neue Formen werden gesucht. In Leipzig wird beispielsweise das Referat gekürzt und stattdessen ein Gruppengespräch angeboten. Ab 1970 werden an manchen Stellen die Frauentreffen in Familientreffen umgewandelt. Damit wird versucht, jüngere Frauen für die Treffen zu interessieren. Weiter empfinden manche Mitwirkende ein ausschließliches Frauentreffen als veraltete, nicht mehr zeitgemäße Arbeitsform.

Aufwand und Einsatz zur Gestaltung der Treffen vor Ort sind groß. Organisation und Koordinierung der vielen Treffen fordern die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle jedes Jahr neu heraus. 1971 wird im Jahresbericht dazu vermerkt: "Fräulein Appelts stärkster Einsatz ist in den Wochen der Vorbereitung des Frauentreffens. Uneingeweihte ahnen kaum, wie viele Vorüberlegungen, Kopfzerbrechen, aber auch Geduld und Wendigkeit, welch gründliches, unermüdliche Studium aller Fahrpläne dazu gehören, um so schnell wie möglich nach der Rednerinnen-Vorbereitung im März und nach Meldung der Orte aus den Ephorien die Verteilung der Rednerinnen und alle Benachrichtigungen vorzunehmen. Mehr als eine schlaflose Nacht verursachen dann eine plötzliche Absage oder Änderungswünsche. Fräulein Appelt atmet erst wieder auf, wenn alle 65-70 Frauentreffen im Land ohne Pannen verlaufen sind."

Immer wieder wurde über Stil und Inhalte der Frauentreffen diskutiert, um sie den sich ändernden Erfordernissen anzupassen. So wurde in den 80er Jahren das bis dahin lange Referat, welches im Mittelpunkt stand, gekürzt und eingebettet in einen Frauengottesdienst mit vielen Gestaltungselementen, der von einer ganzen Gruppe vorbereitet und durchgeführt wird. Zum 50. Frauentreffen im Jahr 1997 schreibt die Landespfarrerin Ursula August: "‚Rogate’, das ist die Vergewisserung der biblischen Botschaft in die jeweilige persönliche und historische Situation der Frauen. Der liturgische Entwurf, der seit Jahren von einer Frauengruppe bedacht und vorbereitet wird, ist kein ‚Patentrezept’ oder ‚Fertiggericht’ – aber er ist ein Gerüst. Alles in allem wird bei den Treffen, die sich wie ein dichtes Netz über die gesamte Landeskirche ziehen, die Vielfalt und Fülle der Ideen und Gaben unter den Kirchenfrauen sichtbar."

So ist es bis heute geblieben.
Übrigens: Die sächsische Frauenarbeit ist die einzige, die sich die nun schon 60-jährige Tradition der Frauentreffen erhalten konnte.

Bettina Dörfel, ehem. Landesleiterin der Kirchlichen Frauenarbeit (2004-2016)