Die achziger Jahre – Öffnung für neue Impulse

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Anfang der 80er Jahre überstrahlt das anstehende 75jährige Jubiläum der Frauenarbeit die Alltagsarbeit. Nach all den kritischen Anfragen zum "heutigen" Sinn von Frauenarbeit in den beiden vorhergehenden Jahrzehnten wird dieses Ereignis auch genutzt, um die Wichtigkeit der Arbeit zu verdeutlichen. Zum Festgottesdienst predigt Landesbischof Dr. Johannes Hempel über die Gemeinschaft von Frauen und Männern, über deren verheißungsvolle Seiten als auch deren dunkle Seiten, die überwunden werden müssten. Landesleiterin Eva Engelmann beginnt ihre Ansprache mit folgenden Worten: "Wie geht es nun weiter mit der kirchlichen Frauenarbeit in Sachsen? Sie ist nach wie vor ein Werk unserer Kirche und versteht ihre übergemeindliche Arbeit als Zuarbeit für die einzelnen Gemeinden. Die Reisesekretärinnen leiten Monat für Monat in allen Ephorien Laienfrauen an, selbständig Frauenabende mit Bibelarbeit oder Themengespräch zu halten. Jährlich finden im Haus der kirchlichen Frauenarbeit etwa 20 Bibelseminare statt, die von den Teilnehmerinnen mehrfach als "Tankstelle" bezeichnet worden sind. […] Dabei wird immer wieder deutlich, wie viel Lebenshilfe die Bibel auch in unserer Zeit gibt. Die Wochenenden für berufstätige Frauen führen zu dem gleichen Schluss."

1981 tagte der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Dresden. Die Frauenarbeit war in die Gestaltung des Begleitprogramms einbezogen. Darüber hinaus konnte weiter regelmäßig ökumenischer Besuch aus der ganzen Welt empfangen werden.

Ebenfalls 1981 fand in Sheffield die ÖRK-Konsultation "Die Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche" statt. Frauen hatten die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit, nach dem Verhältnis von Frauen und Männern unter den Bedingungen männlich geprägter kirchlicher Strukturen und von Männern formulierter Theologie auf die Tagesordnung der Kirchen gesetzt. Die Ergebnisse der Konsultation mündeten 1988 in die Ökumenische Dekade "Kirchen in Solidarität mit den Frauen", um Frauen zum Handeln zu ermächtigen und Kirchen zum Handeln zu veranlassen.

Die Ergebnisse der Konsultation von Sheffield wurden auch in der Frauenarbeit ausgiebig diskutiert und beeinflussten das Themenangebot. 1985 stand die Tagung für KuratorInnen unter dem Thema "Frauen entdecken die Bibel", eine Einführung in die feministische Theologie erfolgte durch Pastorin Tunkel. Aber auch den Themen des Konziliaren Prozesses "Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung" wurde sich zugewandt.

1986 wird Eva Engelmann als Landesleiterin verabschiedet und Jutta Schumann eingeführt, gleichzeitig mit fünf neuen Reisereferentinnen.

Mitte der 80er Jahre wird die Ordnung der Frauenarbeit den veränderten Bedingungen und dem neuen Selbstverständnis angepasst. 1947 war formuliert worden: "Die kirchliche Frauenarbeit hat den Zweck, die Frauen der Gemeinde in ihrem besonderen Stand als Frauen und Mütter zu christlicher Gemeinschaft zu sammeln, in ihrem Glauben zu stärken und in gesamtkirchliche Fragen einzuführen. Sie will ihre Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums und für die Arbeit der Kirche in unserem Volke wecken und sie zur freudigen Mitarbeit in der Kirche ausrüsten."

Neu lautet dieser Abschnitt: "Die Kirchliche Frauenarbeit hat die Aufgabe, Frauen unter Gottes Wort zu rufen. Sie will dadurch zum Glauben wecken, Glauben stärken und zu verantwortlicher Arbeit im persönlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Raum befähigen. Sie will Frauen – in Ehe, Familie oder alleinlebend – zu christlicher Lebensführung helfen. Kirchliche Frauenarbeit geschieht auch mit Familien, Ehepaaren und Müttern, mit Behinderten und alten Menschen." Zwar wird die 1973 begonnene Team-Leitung in der Ordnung nicht verankert, aber die Stellung der Landesleiterin durch die Mitverantwortung für die Geschäftsstelle gestärkt.

Nicht alle Arbeitszweige laufen in diesen Jahren Erfolg versprechend weiter. Die Nachfragen nach Erholungszeiten für Mütter, die noch immer sowohl im "Haus Esther" in Kipsdorf als auch im "Bethlehemstift" in Bad Lausick angeboten werden, gehen zurück. Ab 1985 steht das Haus in Bad Lausick nicht mehr zur Verfügung, da dort die Ausbildung für Kinderdiakoninnen untergebracht werden soll.

Es bilden sich in dieser Zeit eine Vielzahl von alternativen Frauengruppen, die auf Veränderungen in Kirche und Gesellschaft drängen, aber nur in einem losen Kontakt zur Frauenarbeit stehen.

Ostern 1988 wurde in der Landeskirche die vom Ökumenischen Rat der Kirchen initiierte weltweite Dekade "Solidarität der Kirchen mit den Frauen" ausgerufen.

Die Frauenarbeit nahm die Themen der Dekade umgehend in ihre Programme auf und drängte darauf, dass diese auf dem sächsischen Kirchentag 1989 in Leipzig ebenfalls verankert würden. Viele Ideen für einen Frauenkirchentagstreff und einen Frauengottesdienst wurden mit den alternativen Frauengruppen gesammelt.

Bettina Dörfel, ehem. Landesleiterin der Kirchlichen Frauenarbeit (2004-2016)